Andrea Kassens erforscht in ihren Bildern die Beziehung zwischen Innenwelt, Wahrnehmung und Raum. In vielschichtigen Interieurs inszeniert sie weibliche Figuren, die zugleich präsent und entzogen wirken. Fotografische Vorlagen und spontane Skizzen dienen ihr dabei als Ausgangsmaterial, das sie malerisch überlagert, verschiebt und bricht. Durch diese Überlagerungen entstehen Bildräume, die in einem Schwebezustand zwischen Beobachtung, Erinnerung und Imagination existieren. Ein wesentliches Merkmal ihrer jüngeren Arbeiten ist der experimentelle Umgang mit Farbe und Licht. Sie nutzt eine intensive, leuchtende Farbigkeit, die den Szenen eine emotionale Temperatur verleiht. Farben treten bei ihr in den Dialog – in Harmonie oder bewusster Reibung. Die Kontraste erzeugen Spannungen und schaffen eine Atmosphäre von filmischer Lichtsetzung. Ihre Bilder zeigen selten eindeutige Handlungen, sondern vielmehr Momente und das Dazwischen: ein Blick, der sich verliert; eine Geste, die etwas andeutet; ein Raum, der mehr über die Figur erzählt. Weibliche Figuren, die in ihren früheren Werken häufig im Zentrum standen, sind nun Teil eines größeren Gefüges geworden. Mit fotografischer Sensibilität entstehen Werke, die vertraut wirken und gleichzeitig eine subtile Fremdheit tragen. Ihre Bilder laden ein, zu verweilen und die eigene Vorstellung in die bewusst offen gelassenen narrativen Räume hineinzulegen.